Kolumne

Von Freunden und Fans: Das soziale Netzwerk im “Social Web”

Der in den traditionellen Medien oft als Internetexperte genannte Sascha Lobo hat ein Problem: Facebook gestattet ihm nicht mehr als 5.000 “Friends” in seinem Profil zu haben. Über solch eine Begrenzung lässt sich natürlich diskutieren. Viel spannender finde ich jedoch die Frage nach der Differenzierung der Kontakte.

Vor einiger Zeit hatte ich anlässlich des Erreichens der Marke von 1.000 Kontakten beim Geschäftsnetzwerk XING schon mal die Frage in den Raum gestellt, ob man diese gelegentlich aufräumen oder einfach alle behalten sollte. Lobo sei nun gezwungen seine “Friends” zu “Fans” zu machen. Er müsse sein Facebook-Profil in eine Fanseite umwandeln, um weitere Kontakte annehmen zu können. Da Lobo nicht jedem seiner Kontakte unterstellen will, auch sein Fan zu sein, schuf er den Neologismus “Friend Auf Netzwerk”.

Angeregt durch diesen Fall, stelle ich mir jedoch die Frage, wo bin ich mit wem “befreundet” und welche Differenzierung gibt es dabei je Netzwerk? Im Moment sind für mich persönlich die Plattformen Twitter, Facebook, XING und MeinVZ (bzw. StudiVZ) in dieser Reihenfolge dominierend. Jede hat ihre Eigenheiten und auch meine Kontakte sind je Netzwerk teilweise sehr unterschiedlich. Gleichzeitig sind Überschneidungen nicht ausgeschlossen.

Digitales Poesiealbum

Netzwerke wie MeinVZ haben den Kontakt zu einigen alten Schulkameraden wieder hergestellt. Tatsächlich befreundet bin ich mit den meisten allerdings nicht mehr. Insofern eignet sich dieses Netzwerk am ehesten als “digitales Poesiealbum” und zur Organisation von Klassentreffen, wenn man daran Interesse hat. Leider ist es jedoch mittlerweile schwer geworden, alte Klassenkameraden wiederzufinden, da viele nach Medienberichten über Datenschutzprobleme hier ihre Namen verändert haben.

Geschäftliches Adressbuch

XING ist die Plattform auf der ich schon am längsten registriert bin. Ein Profil in dem Business-Netzwerk gehört quasi zum Standard in meiner Branche. Insofern finde ich im beruflichen Umfeld hier alle relevanten Ansprechpartner. Über die Jahre haben sich hier über 1.200 Kontakte angesammelt – also ein prall gefülltes Adressbuch. Über die Suche und den internen Nachrichtendienst kann man als zahlendes Mitglied auch schnell neue Kontakte herstellen, die dann nach Freigabe der Adressdaten oft in Telefonate oder Emailverkehr münden. Dieser geschäftliche Vorteil ist mir die 71,40 EUR pro Jahr für die Premiummitgliedschaft wert.

Netzwerk für Freunde

Die ursprünglich aus den USA stammende Community Facebook hatte für mich längere Zeit mehr einen Experimentierstatus. In den letzten Monaten gewann sie aber stärker an Bedeutung, da sich hier immer mehr meiner Freunde anmelden, die nicht beruflich mit dem Netz zu tun haben. Auch dass man hier seinen Freunden über den Nachrichtenticker auf der Startseite mitteilen kann, was einen gerade beschäftigt, hat dazu beigetragen. Bei Facebook sehe ich die größten Überschneidungen unter den Kontakten. Hier haben sich aber mittlerweile die für mich persönlich wichtigsten Kontakte konzentriert. Gleichzeitig kann man seine “Freunde” hier in Gruppen einteilen und darüber auch Zugriffsberechtigungen für Fotoalben definieren. Wer außerdem mit Freunden im Ausland in Kontakt bleiben will, kommt wohl nicht mehr um Facebook herum.

Alltäglicher Nachrichtenticker

Die meiste Zeit des täglichen “Networkings” widme ich jedoch dem Kurznachrichtendienst Twitter, der mit der Zeit meine bisherigen Newsletter- und RSS-Abonnements abgelöst hat. Hier verfolge ich die Meldungen der Presse, von Bloggern und Freunden. Gleichzeitig teile ich diesen wiederum mit, womit ich mich gerade so beschäftige. Von alltäglichen Banalitäten bis hin zu brandheißen Schlagzeilen finde ich hier alles, was mich interessiert. Außerdem ist Twitter für mich ein guter Marketingkanal, über den ich Meldungen in eigener Sache verbreiten und eine wichtige Gruppe an Multiplikatoren erreichen kann.

Zu guter Letzt interessiere ich mich natürlich für Eure Meinung: Wie ordnet ihr die Kontakte in den verschiedenen Netzwerken ein? Welche Plattformen sind für Euch relevant und warum? Ich freue mich über entsprechende Kommentare!

4 thoughts on “Von Freunden und Fans: Das soziale Netzwerk im “Social Web”

  1. Max

    Bei mir verlagert sich das Ganze ein wenig. MeinVZ gar nicht, Facebook ähnlich experimentierfreudig, Twitter als Nachrichtenkanal und Ergänzung zum Blog. Xing primär für geschäftliches.
    Facebook und Xing-Überschneidung würde ich bei weniger als 30% sehen. Twitter unter 10%.

  2. Xing ist ein absolutes Muss, Facebook behandlich ich eher etwas stiefmütterlich, ebenso meinVZ. Twitter ist für mich auch sehr wichtig geworden.

    Für ehemalige Klassenkameraden nutze ich stayfriends, auch wenn man da ohne Premiummitgliedschaft wirklich nicht weiter kommt.

    Twitter ist auch ein absolutes Muss, da kann auch ganz schnell eine Sucht draus werden. ;-)

  3. CBS

    Für mich ist MeinVZ das, was Stayfriends immer sein wollte – ich habe generell nix gegen Premiummitgliedschaften, siehe XING, aber ich finde, das Verhältnis stimmt hier bei Stayfriends nicht. Man kann sich ohne zu zahlen kaum ein Bild von der Plattform machen. Das hat mich immer abgeschreckt. Durch MeinVZ und Facebook ist Stayfriends mittlerweile auch überflüssig geworden.

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