Kolumne

Ogo Kampagne: Wenn Guerilla Marketing an Vandalismus grenzt

Wer heute auffallen will, muss neue Wege gehen. Oftmals wird also zum sogenannten Guerilla Marketing gegriffen, das durch ungewöhnliche Aktionen und mit geringem Mitteleinsatz große Wirkung erzielen soll. Solche Kampagnen können jedoch nicht nur positive Wellen schlagen, wie sich schon bei SchuelerVZ zeigte. Auch die aktuelle Ogo-Kampagne geht für meinen Geschmack zu weit.

Die erste Generation der handlichen Kommunikationsgeräte des kalifornischen Herstellers IXI Mobile wurde hierzulande exklusiv durch den Provider 1&1 unter dem Namen „Pocket Web“ vertrieben. Mit einer neuen Gerätereihe versucht der Hersteller nun auch unter der eigenen Marke „Ogo“ in Kooperation mit Debitel in Deutschland Fuss zu fassen.

Ogo GraffitiSo weit, so gut. Wie man jedoch auf die Geräte insbesondere im Berliner Zentrum aufmerksam zu machen versucht, halte ich für grenzwertig. Hier werden offenbar ohnehin schon verschandelte Hauswände mit dem Maskottchen der Kampagne samt Slogan und Internetadresse bemalt. Für diesen „Angriff“ ist die Berliner Robot Werbeagentur verantwortlich:

Die Agentur […] inszeniert das Motto „Chatten, wann und wo Du willst“ in einer Ogo Attack, […] wie Guerilla Fassadenmotive, Wildplakatierungen, Projektionen und Promotions […]

Eine bemalte Fassade in meiner Umgebung betreffend, habe ich mich an die oben genannte Agentur gewendet. Kurze Zeit später folgte eine Stellungnahme von einem der Geschäftsführer, Lars Oehlschlaeger:

Bei dem Motiv in Ihrer Nachbarschaft handelt es sich ganz einfach um gemalte Werbung auf einer Hauswand. […] Die Motive wurden von Künstlern der Berliner Streetart-Szene umgesetzt und flankieren eine berlinweite Plakatkampagne. […] Der Look ist natürlich polarisierend. Deshalb haben wir uns über die Genehmigungen der Hausverwaltungen, ihre Wände nutzen zu dürfen, ganz besonders gefreut.

Ogo Sticker Dass man es mit Genehmigungen jedoch dennoch nicht allzu ernst zu nehmen scheint, zeigen die in der oben zitierten Pressemitteilung genannten Wildplakatierungen. Diese Art der Werbung ist an vielen Orten untersagt oder findet in rechtlichen Grauzonen statt und sorgt in Städten für erheblichen Schaden. Auch das illegale Kleben von Werbestickern passt in dieses Bild. Da hilft es auch nichts, dass man sich unter dem Mantel der ohnehin umstrittenen „Streetart“ zu verstecken versucht.

Durch die, wenn auch genehmigte Bemalung von Hauswänden, die einen wenig künstlerischen Eindruck macht, spielt man ohnehin offenbar bewusst mit dem Verdacht auf Vandalismus. Bis auf die oben gezeigten fragwürdigen Werbemittel habe ich bisher keine weitere Ogo-Werbung gesehen – von der „berlinweiten Plakatkampagne“ also keine Spur?

Alles in allem finde ich, dass man sich mit dieser Art zu werben hart an der Grenze zwischen erlaubter Werbung und Illegalität bewegt. Ob dies auf mögliche Käufer im Sinne des Herstellers positiv wirkt, ist jedenfalls fragwürdig. Auch wenn ich die beworbenen Geräte grundsätzlich ansprechend finde und mich durchaus noch zur Zielgruppe zählen würde, hat die Aktion der Berliner Werbeagentur bei mir einen negativen, kaufhindernden Eindruck hinterlassen.

7 thoughts on “Ogo Kampagne: Wenn Guerilla Marketing an Vandalismus grenzt

  1. Ohjeee.. niemand weiss, daß der Mist genehmigt wurde. Die Kampagne dürfte also eher Hass auf die Marke erzeugen.

    Mhhh… wetten wir, daß Ogo bald eine neue Agentur hat?

  2. Es ist ja immer wieder interessant, welche Werbemaßnahmen sich die Marketingabteilungen ausdenken. Aber auch ich denke, manches Handeln geht da dann doch zu weit. Wo ist denn der moralische Aspekt? Mit solchen Werbewandbeschmierereien wird doch die Graffiti-Szene noch bestärkt. Da wurde mal wieder nicht weitergedacht. Schließlich lassen sich die Jugendlichen von Werbung sehr beeindrucken und sicher auch von der Machart. Also wenn schon die Werbung Tabus bricht, warum sollen dann die Kids nicht auch Häuserwände bemalen?
    Eines möchte ich noch anmerken:
    Ich gehöre auch zu der kommunikativen Zielgruppe, aber dennoch spricht mich dieses 3-äugige Monster nicht an. Also ich möchte nicht mit „ogo“ befreundet sein. Dieses „Kunstwerk“ der Streetart-Szene ist ja nun wirklich geschmacklos.

  3. OK, grenzwertig mag die Kampagne sein. Aber genau das zeichnet doch Guerilla-Marketing aus. Das bewusste Überschreiten von Grenzen und die Inkaufnahme kalkulierbarer Folgen – hier vielleicht ein Ordnungsgeld wegen wilder Plakatiererei – sind dabei legitime und vielfach eingesetzte Mittel. Allein, dass hier darüber diskutiert wird, dokumentiert den Erfolg – sogar über die Grenzen Berlins hinaus. Die Wette wegen der neuen Agentur würde ich annehmen.

  4. Pingback: Witziges Marketing-Konzept: Streetart fürs Ogo (Nachtrag) » VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog

  5. Pingback: Ogo Streetart - Zielgruppe ist alles : PocketWeblog.de

  6. lulu

    Streetart – eine der am meisten geächteten, kriminalisierten und verfolgten jugendkulturellen Ausdrucksformen wird als kreativ und zeitgemäß gelobt und akzeptiert sobald auf Authentizität verzichtet wird und irgendjemand damit Geld verdient.

    Was ist hier wirklich kaputt? Das Stadtbild, die Jugend oder die Gesellschaft?

    Das Konzept Werbung als Streetart zu verkaufen ist übrigens nichts neues und längst von großen Sportartikelfirmen und kleineren Berliner Unternehmen erkannt worden.
    Die Werbeagentur Robot springt hier lediglich auf einen längst fahrenden Zug auf indem bereits alle Passagiere im Schlafabteil liegen.

  7. Pingback: Literatenmelu » Smaboo - Marketing mittendrin

Comments are closed.