Kolumne

Lieferheld SEO: Startup in der Linkbuilding-Falle?

Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, spielt für E-Commerce-Unternehmen eine bedeutende Rolle. Marktführer Google liefert oft die Mehrheit der Besucher an Websites über seine beliebte Suche. Dementsprechend investieren viele Unternehmen stark in die Steigerung ihrer Sichtbarkeit bei relevanten Suchbegriffen. Neben technischen Hausaufgaben auf der eigenen Seite, geht es dabei vor allem um Linkempfehlungen durch andere Websites, die den Firmenseiten erst die nötige Relevanz verschaffen. Die Berliner Lieferdienst-Plattform Lieferheld ist hier keine Ausnahme. Allerdings macht das Unternehmen dabei aus meiner Sicht einen entscheidenden Fehler.

Der Wettbewerb der Lieferdienst-Plattformen im Internet ist hart. Das Berliner Unternehmen Lieferheld zählt Dank Millionenfinanzierung zu den Marktführern und hat sich im Laufe der letzten Monate eine starke Marke aufgebaut. Das unterstreicht auch die Nachfrage bei Google.

Um diese Stellung zu halten und bei möglichst vielen relevanten Begriffen in den Suchmaschinen weiter vorne zu liegen, beschäftigt das Unternehmen Mitarbeiter, die Websites bitten, Lieferheld mit einem Link zu empfehlen. Diese Praxis, auch Linkbuilding genannt, ist weit verbreitet und gerade in wettbewerbsintensiven Umfeldern unerlässlich, will man oben stehen. Doch Google ist naturgemäß kein Freund solcher Manipulationsversuche und rüstet seine Software ständig auf, um „künstliche“ Empfehlungen zu erkennen und abzuwerten. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen beim Linkbuilding auf Klasse statt Masse setzten. Längst werden links nicht mehr nur noch aus Linklisten und Naviationselementen gesetzt, sondern im Rahmen von ganzen Artikeln über die gewünschten Unternehmen und Produkte. So soll eine redaktionelle Empfehlung vorgetäuscht werden. Blogs sind hierbei ein beliebtes Ziel für Suchmaschinenoptimierer, da hier regelmäßig neue Inhalte erscheinen und man sich gerne untereinander verlinkt.

Tools wie Sistrix oder Cempers „Link Research Tools“ bieten Unternehmen die Möglichkeit relevante „Linkquellen“ zu finden. Linkbird unterstützt sie sogar dabei, das Linkbuilding professionell zu organisieren. Auch wir bedienen uns bei unseren Projekten in Maßen solchen Methoden und Hilfsmitteln. Wer jedoch Blogger anspricht, sollte auch eine „Story“ zu bieten haben. „Schreib mal irgendwas über uns, damit wir einen Link bekommen“ ist der falsche Weg. Und genau diesen Weg scheint Lieferheld eingeschlagen zu haben. Als mich eine freundliche Kollegin des Lieferservice-Portals ansprach, ob ich sie verlinken würde, war ich zunächst nicht abgeneigt, schließlich bieten die Unternehmen oft ein ganze Menge Geld als „Aufwandsentschädigung“. Und Blogger wissen heute oft ziemlich genau, was eine „Empfehlung“ von ihnen wert ist. Bezahltes Bloggen ist zwar sehr umstritten, aber „unter der Hand“ Standard, da es kaum andere profitable Monetarisierungsquellen für Blogger gibt. Mancher kennzeichnet „gesponserte“ Beiträge bzw. veröffentlicht diese in gesonderten Kategorien wie eine Art Kleinanzeige.

Lieferheld SEO

Links sind Lieferheld wichtiger als Inhalte

Ich habe mich jedoch dagegen entschieden, Gastbeiträge oder generische Artikel über Unternehmen in meinem Blog zu veröffentlichen, da diese für die Leser kaum Mehrwert bieten und demnach auch Google ein besonderes Dorn im Auge sind. Also schlug ich Lieferheld eine „Story“ vor. Stellt mir das Unternehmen neben der Aufwandsentschädigung 30 Gutscheine zur Verfügung, bestelle ich einen Monat lang jeden Tag etwas über Lieferheld, blogge darüber täglich in meinem Mikroblog und anschließend hier über das Experiment. Leider passte das wohl nicht in das Linkbuilding-Budget und wurde daher abgewiegelt: „Uns reicht ein Artikel inkl. Backlink – eine 30 Tage Testphase ist nicht drin und auch nicht notwendig!“ Okay, um meinen Lesern dennoch etwas Interessantes zu liefern, schlug ich ein kurzes Interview mit einem der Gründer anhand eines Fragebogens zu Erfahrungen und Tipps für andere Gründer vor. Die Beantwortung hätte kaum länger als 15 Minuten gedauert, aber auch das ist „leider nicht möglich“. Würde ich einfach einen belanglosen Beitrag über Lieferheld veröffentlichen, wie diesen hier, hätte ich bereits einen dreistelligen Betrag kassiert.

Nun verzichten wir aber auf diese „Zusammenarbeit“, da Lieferheld SEO eben nur zum Linkbuilding macht. Dass das mittelfristig jedoch zum Boomerang werden kann, übersehen die linkhungrigen Kollegen wohl. Hauptsache die Excel-Werte stimmen, damit der Vorgesetzte zufrieden gestellt werden kann? Das Rennen um die Rankings wird immer härter und Google kommt dem Linkbuilding immer mehr auf die Spur. Wer dabei also die Inhalte vernachlässigt, wird wahrscheinlich nicht mehr lange in der ersten Liga mitspielen können. Ob Lieferheld dieses Risiko eingeht, um zunächst weiter schnell zu wachsen und bald einen Exit hinzulegen, komme danach, was wolle?

Wie lange können sich Unternehmen im SEO eine solch kurz gedachte Strategie noch erlauben? Ich freue mich über Deinen Kommentar!

15 thoughts on “Lieferheld SEO: Startup in der Linkbuilding-Falle?

  1. Tja, die Linkbuilder sind halt nur mit begrenzten Entscheidungskompetenzen ausgestattet. Alles was über den Standard-Linkkauf hinausgeht, ist nicht mehr ihre Baustelle. In Deinem Fall wäre es sicher sinnvoll gewesen, den Lead an die PR -Abteilung weiterzugeben. Die hätten sich wahrscheinlich gefreut.

  2. > Google kommt dem Linkbuilding immer mehr auf die Spur

    Ja, das ist, was Google sagt. Die Realität ist leider anders. Noch immer dominieren Seiten, die mit Brachialmethoden arbeiten (Footer-, Kauf-, Linklisten-Links etc.) arbeiten, die kompetitiven Key-Kombis.

    Google verspricht das schon seit vielen Jahren Besserung. Imho sind aber die Kollateralschäden größer als der eigentliche Effekt.

    Das war auch schön beim Panda-Update zu beobachten. Wo es quasi „Jeden“ getroffen hat, nur genau die eigentlichen Ziele (Contentfarmen, Splogs) nicht.

    Ich kann jeden verstehen, der sich diesen real-existierenden Spielregeln anpasst. Schlicht deshalb, weil man in vielen Bereichen nicht Jahre darauf warten kann, dass G. seine Hausaufgaben macht. Google hat den Linkspam selbst über Jahre gezüchtet.

  3. Pingback: Lesenswert: Lean Startup, Mobile Payment, Lieferheld, Twitter, Facebook, Perfect Pitch :: deutsche-startups.de

  4. Jacob

    Kann es sein, dass Sie nur ein wenig „angepisst“ sind, dass Lieferheld nicht bereit war das zu zahlen was Sie verlangt haben? Wo kommen wir denn da hin, wenn das jeder so machen würde wie Sie hier…. „Zahl mir was ich will oder ich schreibe einen schlechten Artikel über dich“!?! Sorry aber das geht meiner Auffassung gar nicht… dieser Artikel vermittelt mir ein wenig das Gefühl, dass hier am Ego gekratzt wurde!

    • CBS

      Über den Preis waren wir uns einig, Jakob, nur beim zu veröffentlichen Inhalt kamen wir nicht auf einen Nenner, siehe oben. 😉

    • Hallo,
      „Zahl mir was ich will oder ich schreibe einen schlechten Artikel über dich” trifft nicht zu, weil ja Lieferheld etwas vom Blogbetreiber wollte und ein bezahlter Backlink ist nichts anderes als Werbung.

      Werbung auf einem Blog wie diesem hier mit releventer Sichtbarkeit und Inhalten mit Mehrwert ist teuer und eine vorgeschlagene Serie, hätte Lieferando für vielleicht 400,00 Euro Backlinks mit Traffic und Feedback gebracht.

      Der Link bei Mandy bringt höchstens die Meldung in den WMT das man sich doch bitte unnatürlichen Links entledigen soll, vorausgesetzt der Link wird überhaupt vom Crawler gefunden.

  5. Schöne Story und exemplarisch für manch schlechtes Linkbuilding.

    Wenn die Mitarbeiter im Startup ganz unten nur ihre Linkziele (mach xx Links am Tag) erreichen müssen und deswegen nicht mehr auf guten Inhalt (die 30 Tage Aktion wäre bestimmt super gewesen und wäre für Lieferheld mit circa 300€ „relativ“ günstig gewesen), dann liegt das Problem wohl an der Struktur von ganz oben und an fehlender Weitsicht der Mitarbeiter.

    Schaut man sich den Sichtbarkeitsindex an, gibt es verglichen mit der Konkurrenz sehr wohl noch Aufholbedarf seitens Lieferheld, aber plumpe Links von „xyz testet.de“ bringen es da nicht.

  6. Das Problem ist, daß manche Manager nur in 3- Monats- Zeiträumen denken, weil sie nur dafür bezahlt werden, und evtl. bald sowieso für eine andere Firma arbeiten. Diese Leute interessiert nicht, was in 1 Jahr ist.

  7. Frank

    Hallo, das ist mir völlig unverständlich. Jeder geradeaus denkende SEO Marketing Leiter würde sich doch unheimlich über einen längeren Artikel freuen. Das müssen echte Grünschäbel gewesen sein!

  8. Google die unergründliche Krake, einerseits wird Google bei der Erkennung von künstlichen Links immer besser, andererseits sehe ich bei einem englischen Keyword eine Domain vorne, die fast ausschließlich russische billigste Links aus gespinnten Texten, die nichts mit dem Keyword im Ansatz zu tun haben, die Domain hat möglicherweise bei Google durch das Alter von 13 Jahre einiges an Trust, aber auch die Ankertexte sind hart verlinkt, die dürfte nie im Leben Platz 1 sein.

    Platz 2 hat 80-90 gemietete / gekaufte Pagerakn 3/4 Links, ohne jegliche Themenrelevanz.

    Soviel dazu!

  9. Das alte Problem – ich mache einfach das was bisher immer funktioniert hat – warum was ändern.
    Nicht denken ist einfacher und kurzfristig vielleicht auch rentabler.

    Bleibt ab zu warten !

    Tja und Google und seine Versprechen das die Ergebnisse für Nutzer immer besser werden – ja nee is klar. Und dann noch die gekauften Links bei Wikipedia – oje. Das erklärt doch so manches Verhalten.

    Klaus

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