Kolumne

Gründer, die bisher nicht zu den „Gewinnern“ zählten

Die Startups, welche die Blogszene regelmäßig verfolgen, werden den lesenswerten Beitrag „Ein paar Dinge, die man über Venture Capital wissen sollte“ im Blog von Andreas Göldi wahrscheinlich schon gelesen haben. Ich hatte erst jetzt die Zeit mich diesem zu widmen.

Ich bin ja bekanntlich selbst Gründer und habe gerade zu Anfang der neuen Gründerwelle Mitte 2006 oft mit etwas Neid die neuen Startups betrachtet, die vom Start weg oder seit einer frühen Phase mit jede Menge „Venture Capital“ gerüstet sind. Mein Unternehmen wurde Mitte 2005 mit etwas finanzieller Hilfe von den beiden erfolgreichen Internetunternehmern Ron Hillmann und Arend Iven gegründet. Zu dieser Zeit war von der neuen Aufbruchstimmung noch wenig zu spüren und die meisten VC-Gesellschaften waren mir noch kein Begriff.

Mittlerweile ist es so, dass man beim Lesen diverser Medien das Gefühl hat, das Gewinnen von Risikokapitalgebern für die eigene Geschäftsidee sei bestimmend für den Erfolg eines Unternehmens. Zumindest wird oft so oder nur dann über Startups berichtet. Dem ist nicht nur aus meiner Erfahrung nicht unbedingt so, wie auch Göldi resümiert:

[…] eins ist ein VC-Investment ganz sicher nicht: Ein magisches Signal für unternehmerischen Erfolg.

Natürlich ist es komfortabel, wenn man früh viele Mitarbeiter beschäftigen und ein großes Büro sein eigen nennen kann. Ähnlich sind wir auch in 2005 gestartet. Wenn die finanziellen Mittel jedoch anfangs stark beschränkt sind, ist man gezwungen rentabel zu arbeiten und sein Unternehmen dementsprechend zu strukturieren. Aus meiner Sicht ist es einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, wenn man dies schafft.

Seit Ende 2006 kommen regelmäßig auch auf uns Risikokapitalmanager zu, um das Unternehmen und unser Geschäftsmodell kennenzulernen. Viele Jungunternehmer widmen sich dem Werben um Geldgeber fast ausschließlich. Aus meiner Sicht ist dies jedoch ein Fehler, denn eine „Garantie“ unterstützt zu werden, gibt es natürlich nicht. Daher sollte man sich vor allem auf den Kern des Unternehmertums konzentrieren: Ein erfolgreiches Produkt zu entwickeln und einen eigenen Weg einzuschlagen, statt kurzlebigen Trends nachzurennen. Dies sollte natürlich auch für VC-Manager gelten, wie Göldi auch schreibt:

Die erfolgreichsten VC-Firmen sind […] oft diejenigen, die sich nicht nur von […] Trends leiten lassen, sondern auch mal ein Investment gegen den Trend machen.

Dementsprechend investiere ich nur so viel Zeit wie nötig, um auf VC-Anfragen einzugehen. Viel wichtiger sind unsere Kunden und der damit verbundene Umsatz von dem wir seit einiger Zeit leben können. So haben wir zwar kein großes Büro und zahlreiche Mitarbeiter mehr, aber wiederum die komfortable Lage, nicht vom nächsten „Funding“ abhängig zu sein. Denn hat man erst mal mit dem ersten Geld eine breite Struktur aufgebaut, müssen schnell erhebliche wirtschaftliche Erfolge oder weitere Investoren folgen, denn ohne die kann man sein Kostenniveau nicht halten. Von daher sind mir Firmen suspekt, die von vorne weg mit einem halben Dutzend Gründern, „x“ Vorständen und zwanzig Mitarbeitern aufwarten ohne auch nur einen Euro Umsatz, geschweige denn ein in absehbarer Zeit tragfähiges Geschäftsmodell vorweisen zu können. Dem entspricht auch die Aussage im oben gelobten Beitrag:

[…] Firmen sollten […] darüber nachdenken, ob der Kapitalbedarf nicht über […] möglichst früh erzielte Umsätze gedeckt werden kann.

Zudem fordern große Risikokapitalgesellschaften oft einen Großteil der Anteile eines Unternehmens im Gegenzug zum ersten Geld. Wenn VC jedoch oft nicht zum wirtschaftlichen Durchbruch beiträgt, warum sollte man dann vorzeitig Anteile und Einfluss abgeben? Bei einem möglichen Erfolg stellen sich dann die wirklichen Gewinner heraus:

Bill Gates und Larry Ellison sind unter anderem deswegen so reich, weil sie nie bzw. sehr spät VC-Geld angenommen haben.

In diesem Sinne „Kopf hoch“ und weiter am eigenen Erfolg arbeiten, denn ein Bruchteil des Vermögens der beiden reicht vollkommen aus! 😉

2 thoughts on “Gründer, die bisher nicht zu den „Gewinnern“ zählten

  1. „Daher sollte man sich vor allem auf den Kern des Unternehmertums konzentrieren: Ein erfolgreiches Produkt zu entwickeln und einen eigenen Weg einzuschlagen, statt kurzlebigen Trends nachzurennen.“

    Kann ich zu 100% unterstreichen!

    Unternehmertum heisst Unternehmer sein, und nicht Money-Raiser im Hauptberuf ;-).

  2. Pingback: Welche Ideen werden zum Erfolg - Risikokapitalgeber auf dem Holzweg?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *