Kolumne

Die deutsche Gründerszene: Startup, Exit, Pleite?

StudiVZ, Brands4friends, Jamba, Swoopo – einst die Sterne am deutschen Startup-Himmel – sollen nach Prognose von Gruenderszene.de bis 2015 mehr oder weniger von der Bildfläche verschwinden. Für viele Skeptiker wohl keine Überraschung. Dennoch ist es bemerkenswert, dass gerade die Geschäftsideen der erfolgreichsten Internet-Unternehmer Deutschlands am Ende wertlos sein sollen.

Verblasste Sterne am Startup-Himmel
Verblasste Sterne am Startup-Himmel?

Den bisherigen Erfolg haben diese Unternehmen wohl zu einem nicht unerheblichen Teil ihren Investoren zu verdanken. Da wäre zum Einen der „European Founders Fund“, der von den ehemaligen Jamba-Gründern ins Leben gerufen wurde. Die hatten ihr erstes großes Geld mit dem Verkauf ihrer deutschen Ebay-Kopie an das amerikanische Vorbild gemacht. Dann folgte der berühmt berüchtigte Klingeltonanbieter. Jamba hat mittlerweile den dritten Inhaber, der den fallenden Stern am liebsten schnellstmöglich dem Nächsten unterschieben will. Auch für eine Swoopo-Kopie hatten die Samwers vermögende Mitstreiter gefunden. Hier zog der zweite Investment-Arm der Jamba-Gründer, „Rocket Internet“, aber rechtzeitig die Notbremse und stellte das auf den Namen „Dealstreet“ getaufte Auktionsportal ein.

Die zweite große Startup-Fabrik in Deutschland ist „Team Europe Ventures“ vom einstigen Web-2.0-Maskottchen Lukasz Gadowski. Der vielfach von Gründern und Medien hofierte Business Angel hatte sowohl StudiVZ als auch später Brands4friends mit aufgebaut und dann seine Anteile gewinnbringend verkauft. Dass nun gerade Gruenderszene.de, eine von Gadwoski finanzierte Redaktion, so ein schlechtes Bild von den einstigen Startup-Sternen zeichnet, ist doch sehr bemerkenswert. Die Begründung für den prognostizierten Untergang der Genannten liefert Gruenderszene.de Chefredakteur Joel Kaczmarek selbstverständlich mit. Mangelnder Innovationsgrad bei StudiVZ, begrenzter Markt und schlechte Exekution bei Brands4friends sowie mangelhaftes Geschäftsmodell bei Jamba lautet die Diagnose. Alles neue Probleme? Im Gegenteil!

Schon unter Gadwoskis Einfluss war StudiVZ inspirationslos. Die einzige „Innovation“ schien die Farb- und Wortwahl zu sein. Aus Blau, wie beim amerikanischen Vorbild Facebook, wurde Rot. Aus „poke“ (anstoßen) wurde „gruscheln“. Viel mehr Neues hatte StudiVZ nie zu bieten. Auch bei Brands4friends sollte der begrenzte Markt eines „exklusiven“ Shopping-Clubs für Markenware von vornherein bekannt gewesen sein. Die „schlechte Exekution“ durch das beinahe erzwungene massive Wachstum haben die Investoren offenbar im Sinne eines schnellen Exits mitgetragen. Zurück bleiben nur der Käufer und die Mitarbeiter. Das gleiche Bild hat sich nach dem Verkauf der Samwer-Gründung „Citydeal“ an das US-Vorbild Groupon offenbart, Gründerszene berichtete hier selbstverständlich ebenfalls. Auch die Bedenken in Bezug auf Jamba sind nicht neu. Das Unternehmen stand von Anfang an stark in der Kritik. Die Welle der Entrüstung über die Geschäftspraktiken der Samwers verhalf bereits vor Jahren dem heute renomierten Weblog „Spreeblick“ zu seiner Bekanntheit.

Bleibt die Frage, ob es der Swoopo-Finanzier, Wellington Partners, im Gegensatz zum „European Founders Fund“ noch rechtzeitig schafft seine „Penny-Auctions“ zu verkaufen, so wie es die anderen Investoren bei StudiVZ, Brands4friends & Co. taten. Ebenfalls offen ist, wie viele „Ahnungslose“ sich noch für die anderen Risikobeteiligungen von Gadowski & Co. finden lassen. Am Ende platzt die Blase vielleicht auch bei den Investoren, genauso wie schon bei den gebeutelten Mitarbeitern und Käufern. Ausgleichende Gerechtigkeit? Bei den bislang schon eingestrichenen Millionen wohl kaum!

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6 thoughts on “Die deutsche Gründerszene: Startup, Exit, Pleite?

  1. Exit als „Geschäftsmodell“ ist leider kein Geschäftsmodell. Dies soll nicht heißen, dass ein Exit nicht Teil der Entwicklung eines Startups sein kann und sollte. Ich habe aber immer wieder den Eindruck, dass es nicht um den nachhaltigen Aufbau von Unternehmen geht.

    Man mag mich altmodisch nennen, aber ich finde nach wie vor, dass ein valides und nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen die Grundlage für die Bewertung ist bzw. sein sollte.

    Reichweite in sich ist noch kein Wert. Erst wenn nachhaltige Wege der Monetarisierung gefunden wurden, dann ist auch auch verkaufbarer Wert da. Ansonsten kann ich mich in vielen Fällen nicht dem Eindruck erwehren, dass es sich um eine Unterart des Ponzi Scheme handelt.

  2. Pingback: Lesenswert: Gründerszene in Deutschland, Lebensmittel, Amazon, Kids, Surfverhalten, M-Commerce, Google Street View :: deutsche-startups.de

  3. Großer Kommentar, und ganz ehrlich vieles ist wohl schon darauf angelegt nicht lange betrieben zu werden. Schade eigentlich,denn mit ein paar Rosinen im Portefolio lässt sich doch auch gut leben. Nachhaltigkeit steht hier wohl leider nicht auf der Agenda 🙂

  4. Hey Christian,

    schöner (und mutiger ;)) Beitrag.
    Ist schon schade, dass Nachhaltigkeit immer mehr ins Hintertreffen gerät, aber wenn schnell wachsen nun mal das Ziel der Investoren ist, kann man sich als Gründer wohl schwer wehren.

  5. Dieter

    Tachchen,

    habe auch 10 Monate in nem kleinen Webstartup gearbeitet (ist Ende letzen Jahres Pleite gegangen)und habe mich die ganze Zeit über gewundert warum die Investoren da über 2 Jahre Geld reingesteckt haben. Der Punkt war:weder Geschäftsführung noch Investoren hatten irgendwie Ahnung von dem was sie taten. Das hat aber keinen daran gehindert, dass in dem kleinen Laden fast eine Million Euro versenkt wurden(ich weiß, ist nicht viel für Investoren, zeigt aber wie hirnlos investiert wird)Natürlich sollte der Laden in max 5 Jahren gewinnbringend verkauft werden. Es sind einfach so viele Schwätzer unterwegs im Investmentbereich, dass man sich nicht wundern brauch, dass ständig irgendwelche sinnlosen Geschäftsmodelle gefördert werden und dann wieder pleite gehen.
    Eine langfristige und nachhaltige Entwicklung bedarf auch eines soliden Geschäftsmodells bzw. Menschen, die in der Lage sind so etwas zu entwickeln. Naja, das fröhliche Kohleversenken wird es immer geben 🙂

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