Kolumne

Das Provisionsdebakel beim Amazon-Partnerprogramm

Amazon dreht den Hahn für Affiliates weiter zu. Heute wurde eine Provisionsänderung bekannt gegeben, die einem die Freude am Amazon-Partnerprogramm schlussendlich nehmen kann. Die seit langem kritisierte 10-EUR-Provisionsdeckelung wurde nun auf fast alle Sortimente ausgeweitet. Im Gegenzug wurde die Provisionsstaffelung auf bis zu neun Prozent erhöht. Ich habe mal nachgerechnet, ob sich das Amazon-Partnerprogramm überhaupt noch lohnt.

Die neue Staffel sieht wie folgt aus: Wer weniger als 20 Artikel pro Monat verkauft, erhält jeweils maximal fünf Prozent. Zwischen 21 und 50 steigt die Provision auf höchstens 5,5 Prozent. Der 51. bis 400. verkaufte Artikel bringt dann sechs Prozent, sofern 10 EUR nicht überschritten werden. Zwischen 401 und 1.000 Artikeln liegt die Beteiligung bei maximal 6,5 Prozent. Wer mehr als 1.000 und weniger als 3.001 Artikel in einem Monat verkauft, kassiert schon bis zu sieben Prozent. Der 3.001. bringt genauso wie der 10.000. Verkaufsartikel ganze 7,5 Prozent bis 10 EUR. Affiliates, die darüber bis zu 30.000 Artikel monatlich verkauft bekommen, erhalten schon acht Prozent vom jeweiligen Artikelverkaufswert, sofern die Provision nicht 10 EUR übersteigt. Bei mehr als 30.000 verkauften Produkten in einem Monat, kassiert man stolze neun Prozent des Verkaufswerts, wiederum gedeckelt auf maximal 10 EUR je Artikel.

Soweit, so gut. Die Grafik zeigt aber schon das Debakel: sonst ist es bei Partnerprogrammen üblich, dass man verdientermaßen umso mehr Provision erhält, je teurere Produkte man verkauft. Bei Amazon ist hingegen spätestens bei 200 EUR Verkaufswert Schluss. Es ist sogar so, dass Partner, die monatlich Tausende Artikel über das Amazon Partnerprogramm verkaufen, bei höherpreisigen Produkten sprichwörtlich den Kürzeren ziehen. Denn mit steigender prozentualer Beteiligung sinkt die Schwelle des Produktpreises, ab dem die 10-EUR-Grenze greift. Wer mehr als 1.000 Artikel pro Tag für Amazon an den Mann bringt, erhält schon ab 120 EUR Verkaufswert pro Produkt nicht mehr als 10 EUR Provision.

Die Begründung für die pauschale Provisionsdeckelung liest sich wie ein schlechter Scherz:

In der Vergangenheit war die Maximalprovision einzelner Produkte in diversen Produktlinien begrenzt. Entsprechendes Feedback hat uns gezeigt, dass es teilweise schwer nachzuvollziehen war, welche Produktlinien eine Begrenzung haben und welche nicht. Um hier für mehr Transparenz zu sorgen, werden wir zum 1. Mai 2009 eine einheitliche Maximalprovision in Höhe von 10 EUR für die Produkte aller Produktlinien – ausgenommen Bücher, DVD, Musik und MP3-Downloads – einführen.

Auf die Ausnahme bei Medien hätte man auch verzichten können, um tatsächlich eine einheitliche Deckelung einzuführen. Denn erst, wenn man ein Buch, eine DVD, Musik oder eine MP3-Datei für mehr als 120 EUR verkauft, würde die Maximalprovision wie bei den anderen Produktlinien (abhängig von der Provisionsstufe) greifen. Man müsste also DVD-Box-Sets mit 20 und mehr DVDs oder ganze Brockhaus-Bände verkaufen, um die 10-EUR-Grenze überhaupt zu überschreiten.

Alternativen für Affiliates?

Was den Verkauf von Büchern angeht, sollte man sich mal das Partnerprogramm von BOL ansehen. Hier gibt es sieben Prozent ab dem ersten verkauften Artikel (statt wie bei Amazon ab dem 1.000.) auf Bücher, im Premium-Modell sogar ebenfalls neun Prozent. Auf Grund der Buchpreisbindung sind die Preise identisch. Das Sortiment sollte sich ebenfalls weitgehend decken. Anders, als bei Buch.de, wo die Provisionen ebenfalls bei sieben bzw. neun Prozent liegen, fallen beim Buchversand genauso wie bei Amazon keine Versandkosten an. Für andere Medienprodukte erhält man bei den beiden Amazon-Konkurrenten leider standardgemäß nur drei Prozent Provision. Im Premium-Modell sind es dann auch fünf Prozent ohne Deckelung. Der Versand ist hier ebenfalls ab 20 EUR kostenlos (bei Bürobedarf ab 45 EUR). Auch die Conversion-Rates sollen vergleichsweise gut sein. Dies könnte auch an den 30-Tage-Cookies liegen, die es bei Amazon ja noch nie gab.

Im Technikbereich gibt es natürlich diverse Wettbewerber, die oft auch preislich mithalten können. T-Online Shop lohnt sich bei allem bis 100 EUR Warenwert durch die pauschale Vergütung von 5 EUR pro Bestellung. Premium-Partner erhalten sogar bis zu 9 EUR Bestellprovision. MyBy zahlt je nach Sortiment 3-10 Prozent vom Nettoverkaufswert, natürlich ungedeckelt. Pixmania hat ein großes Sortiment und zahlt pauschal drei Prozent, das lohnt sich allerdings erst ab 340 EUR Bestellwert. Bei Euronics.de erhalten Partner ab zehn Bestellungen monatlich sechs Prozent vom Warenkorbwert. Das lohnt sich bis zur 50. Einzelbestellung im Vergleich zu Amazon oder eben ab 170 EUR Artikelwert. Wohl vorwiegend im Bereich der Küchenkleingeräte bis rund 100 EUR könnte Quelle eine gute Alternative sein. Hier erhält man mindestens sieben Euro pro Bestellung, bei mehr als zehn Bestellungen im Monat wird es auch bei höherpreisigen Produkten durch einen zweiprozentigen Provisionsaufschlag interessant. Wer mehr als 50 Verkäufe bei Quelle monatlich macht, bekommt sieben Euro plus drei Prozent. Das ist dann auch für die Haushaltsgeräte ab 100 EUR spannend. Die fünf Euro Neukundenprovision sind dabei noch nicht berücksichtigt. Bei Discount24 könnte sich wiederum der Verkauf von Multimediaprodukten lohnen, denn hier zahlt die Otto-Tochter, die für Schnäppchenpreise steht, in einer Staffel von 5-5,6 Prozent des Verkaufswerts. Natürlich gibt es auch hier wieder 30 Tage Cookielaufzeit.

Die Grafik zeigt den Vergleich der Partnerprogramme mit dem jeweils wohl gängigsten Provisionsmodell. Dabei außen vor blieb die jeweilige Verkaufsrate, die ohnehin vom Einzelfall abhängig ist. Die Auswahl ist also groß, aber auch nicht ganz einfach. Auch deswegen werden wohl viele Affiliates selbst nach der neuerlichen Provisionsverschlechterung Amazon treu bleiben. Eine weitere Alternative könnte ein eigener Preisvergleich mit einer pauschalen Klickprovision sein, wie wir es bei Ecato für Websitebetreiber anbieten.

26 thoughts on “Das Provisionsdebakel beim Amazon-Partnerprogramm

  1. Pingback: Amazon deckelt Provisionen » Torstens Weblog

  2. Dominik

    Ich gebe dir auf jeden Fall Recht, möchte aber noch einen wichtigen Punkt hinzufügen: Den Wegfall der Bonusprovision auf Einzeltitellinks. Diese 2,5 % wurden ersatzlos gestrichen.

    Mit diesem Bonus waren vorher 10% Provision (7,5% max. Staffel + 2,5%) möglich. Aber auch wenn man nicht in der letzten Staffel war, kam man so auf seine 7,5% (5+2,5), sofern man Einzeltitellinks verwendet hat, was meiner Meinung nach viele Blog- und Webseitenbetreiber in der Vergangenheit getan haben.

    Da ließt sich der Satz „[…] Ziele dieses neuen Werbekostenerstattungsmodells ist es, unseren Partnern die Maximierung ihrer Vergütungen zu ermöglichen.“ doch etwas komisch.

  3. CBS

    Danke für den Hinweis, Dominik. Diesen Aspekt hatte ich fast übersehen. Gerade Preisvergleiche und Produktsuchmaschinen sollte dies hart treffen, nehme ich an. Noch ein Grund mehr, stärker auf Vielfalt zu setzen, statt sich vom Möchtegern-Monopolisten abhängig zu machen.

  4. Hallo in die Runde,
    mich trifft auch besonders hart die Streichung der 2,5%. Ebenso dass man nun 400 Artikel verkaufen muss um in die nächste Stufe zu kommen. Ich lag bislang knapp über den 150 Verkäufen.
    Ein guter Zeitpunkt auch andere Partner einzubinden. Stand ohnehin schon lange auf meiner ToDo Liste.

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  6. Pingback: Schießt sich Amazon ins aus?

  7. Pingback: TaT: Amazon-Partnerprogramm, love.com, Marin Software, …

  8. Sehr schöne Grafiken! Ich bin nur froh das ich mit dem Amazon-Quatsch schon vor einigen Monaten aufgehört habe – es war bequem, weil Amazon seine API und sehr viele Produkte hat – aber die Provisionen sind mehr oder weniger ein Witz!

  9. Sieh‘ mal einer an, da unterläuft dem Musterknaben Amazon auch mal ein Faux-Pas. Von eBay ist man solche Kabinettstückchen ja gewohnt, aber Amazon? Kann nur hoffen, dass diese Aktion auf dem trial-and-error-Prinzip basiert und bei genügend Widerstand auch wieder gekippt wird.

  10. @Oliver: bei mir laufen die mp3’s bisher nur mäßig.

    Der wegfall von 2,5% Einzeltitellink Provision trifft mich auch sehr hart und ist zumindest für mich der härteste part des ganzen.

    Ihr würdet gemeinsam mit mir heulen, wenn ich die Summen auspacken würde die monatlich wegbrechen.

    Gerade Seiten, welche auf einzelne Produkte abgestimmt waren liefen dank den 7,5% blendend.

    das lohnt sich nun leider nicht mehr.

    Au vielen anderen Seiten, auf welchen Amazon nur so nebenbei läuft, bleibts erstmal bestehen.

  11. Amazon kann sich mittlerweile anscheinend so einiges leisten und erlauben. Ich nehme einfach mal an, dass sich sehr viele, die so ein Programm einbinden möchten gar nicht großartig informieren, sondern eben einfach zum Bekanntesten greifen und das ist für die meisten wohl nach wie vor Amazon.

  12. @ Oliver
    Die Sache mit dem MP3 Download funktioniert bei mir wirklich klasse. War zwar am Anfang etwas skeptisch wegen dem Downloadinstaller der installiert werden musste, aber auch das lief einwandfrei. Dennoch lohnt sich auch weiterhin ein Preisvergleich mit anderen Anbietern, denn nicht immer ist Amazon der Günstigste und zudem ist die Auswahl an Titeln verständlicherweise noch nicht so ausgereift wie bei anderen Anbietern.

  13. Pingback: www.affiliates.de » Blog Archive » Kaum noch Provision bei Amazon

  14. bin gerade durch Zufall drauf gekommen. Ich war damals auch betroffen und linke weiterhin direkt (um die Conversion zu verbessern). Das mit der Provisionsstaffel ist wirklich ärgerlich. Kaum hat man eine gute Stufe erreicht, ist das Quartal schon rum…

  15. Peter

    Ich glaube, nur auf die mögliche Provision zu schauen, ist der falsche Ansatz. Nachdem der Artikel nun schon etwa zwei Jahre alt ist und sich nichts geändert hat, sehe ich meine Meinung auch bestätigt. Amazon zahlt zwar nicht so viel pro Konversion, aber die Konversion pro Klick Quote ist halt gut. Ausserdem, wenn ich lese, bei 1000 Verkäufen pro Monat bekommt man nur noch max 10.000€ Provision statt x Euro, ist das auch noch auf hohem Niveau. Diejenigen, die tatsächlich dabei ernsthaft viel Geld verlieren, werden die anderen Programme sicherlich getestet haben. Damit schließt sich der Kreis.

  16. Pingback: Versteckte Kosten beim Partnerprogramm von Amazon – tiuz.de – Mediendemokratie durch Bürgerjournalismus

  17. Jan

    1000 Verkäufe Pro Monat dürfte auch nur die allerwenigsten überhaupt betreffen. Gerade für Blogbetreiber ist das Partnerprogramm von Amazon doch wohl eher eine Möglichkeit um einen kleinen Teil der laufenden Kosten wie Server etc. zu decken und keine Haupteinnahmequelle. Von Amazon weg zu kommen wird auch in Zukunft nicht so leicht sein, da der Verbraucher Amazon als absolut vertrauenswürdig kennt und deswegen an Amazon kein Weg vorbei geht.

  18. Timothi

    Hab gerade für Amazon eine Uhr für über 1000 Euro an den Mann gebracht…

    Könnt euch ja denken, was meine Provesion war. Schweinerei.

  19. Zwonko

    Amazon verzögert jetzt schon den fünften! Tag den Versand von 8 Produkten, die über meine Seite bestellt wurden. Natürlich aus gutem Grund: Würden sie versenden, würde meine Werbekostenerstattungspauschale von 5,5% auf 6,0% steigen.

    Das Ärgerliche: Das macht amazon seit Monaten bei mir! Die offenen Artikel werden dann jedes Mal genau am 1. des Folgemonats versandt. Sie verzögern jedes Mal tagelang den Versand von genau der Anzahl Artikel, die ich benötige, um in die 6%-Pauschale zu kommen.

    In diesen fünf Tagen neu hinzugekommene Käufe – ich weiß, dass es welche gab! – werden während dieser Zeit geblockt und summarisch erst am 1. Tag des Folgemonats aufgeführt. Damit wollen sie natürlich vermeiden, dass eine noch größere Anzahl unversandter Artikel aufgeführt werden muss.

    Das andere ist die Höchstauszahlung von 10 Euro pro Produkt, die früher nur die Elektronik betraf, heute aber auf das gesamte Sortiment ausgedehnt ist. So wurden über meine Seite Digitalkameras, Laptops, Waschmaschine und Fernseher gekauft, für die ich jedesmal nur lumpige 10 Euro erhielt.

    Jetzt habe ich die Nase endgültig voll – und haue von denen ab.

  20. Phil

    Ich bin selber als kleiner Affiliate Anbieter unterwegs und kann das Unbehagen verstehen. Aber man auch folgendes sagen: Für kleine Warenkörbe ist Amazonh immer noch sehr interessant und vergütet besser als andere Elektronik Läden. Die Conversion und der Gesamtwarenkorb ist bei Amazon tendenziell hoch aufgrund des vielfältigen Sortiments. Und Amazon ist der größte Onlineshop der Welt. Ehrlich gesagt ist ihnen unsere Meinung tendenziell sch* egal.

  21. Funksta

    Amazon schneidet sich gerade selbst ins Bein und mir auch…
    Provision pauschal auf 2% reduziert, dafür aber keine Decklung mehr. Amazon scheint dies aber aktuell erst mal bei etwas größeren Partnern durchzuführen. Mir bleiben aktuell knapp 1/4 von früher übrig…..damit kann ich Mitarbeiter und verschiedene Projekte nicht mehr weiterführen/beschäftigen und Amazon wird in Zukunft dadurch auch deutlich weniger verkaufen (da bin ich mir sicher).

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