Kolumne

Affiliate-Marketing: BAUR macht den Anfang vom Ende

In den letzten Monaten wurde immer wieder über die Cookie-Problematik diskutiert. Leider stellen sich die Netzwerke hier immer noch vorwiegend auf die Seite des schnellen Geldes und vernachlässigen die langfristigen Auswirkungen auf die ganze Branche. Diese werden aber immer mehr spürbar, denn mehr und mehr große Partnerprogrammbetreiber beginnen mit dem Rückzug.

Heute Vormittag flatterte eine überraschende Meldung in die virtuellen Postkästen zahlreicher Affiliates. Der Versandhändler BAUR, der zur Otto-Gruppe gehört, macht den ersten Schritt zurück und kündingt eine Umstellung der Provisionszuweisung an:

Sehr geehrter Affiliate-Partner, bedingt durch die aktuelle Marktentwicklung möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir die Cookie-Laufzeit innerhalb des Partnerprogramms von BAUR zum 04. Februar 2010 ändern werden. Zu diesem Zeitpunkt werden wir das Tracking von einem 30-Tage-Cookie-Tracking auf ein Session-Tracking umstellen. Das bedeutet, dass künftig nur noch Sofort-Conversions, also Bestellung, die unmittelbar nach einem Klick auf ein Werbemittel auf Ihrer Website bei BAUR getätigt werden, vergütet werden.

Damit werden Partnerwebseiten nun auf Provisionen für einen Großteil der durch sie vermittelten Umsätze verzichten müssen. Mit „aktueller Marktentwicklung“ sind wohl die Auswirkungen durch die immer weiter verbreitete Praxis „Cookie-Dropping“ gemeint. Dabei erhalten Besucher von Partnerwebseiten ein Cookie zur Provisionszuordnung schon bevor sie auf eine Anzeige klicken – entgegen der bisherigen Praxis im Afiliate-Marketing. Netzwerke und Agenturen wittern hier das große Geschäft und haben diese aus vielerlei Hinsicht eher fragwürdige Praxis legalisiert, indem sie ihr einen schöneren Namen, „PostView-Tracking“, gaben und seither offiziell anbieten. Bislang hat sich mit Superclix nur ein etabliertes Affiliate-Netzwerk klar gegen diese Methode ausgesprochen.

40 Prozent der Provisonen brechen weg

Conversion-Time bei BAUR
Zeitspanne zwischen Klick und Kauf

Um diese Änderung besser einordnen zu können, habe ich mal die Statistik unserer BAUR-Provisionen bei Zanox ausgewertet. Wenn man davon ausgeht, dass eine Sitzung (Session) maximal 30 Minuten läuft, würden gemessen an den Bestellungen, die wir im letzten Jahr an das Versandhaus vermittelten, 40 Prozent der Provisionen entfallen. In der Zeitspanne bis 30 Minuten nach dem Klick, in der Grafik rechts grün dargestellt, wurden nämlich gerade mal 60 Prozent der Bestellungen getätigt. Wie viele dabei nach der Umstellung tatsächlich übrig bleiben, ist leider unklar.

In die Röhre schauen nun vor allem die „seriösen“ Partner des BAUR-Programms, die auf dem üblichen Wege ihre Provisionen einnehmen. Diese erhalten unberechtigterweise kein Geld mehr für Bestellungen, wenn der Kunde auf Grund der Anzeige auf deren Seite erst später etwas kauft. Dabei hat man sich wohl am Mutterkonzern orientiert, denn Otto hat im Partnerprogramm bislang auch nur das besagte Session-Tracking angeboten. Weiteres prominentes Beispiel ist der Quasi-Erfinder des Partnerprogramms, Amazon, der seinen Partnern seit Anfang an ebenfalls keine Provision für spätere Bestellungen zahlt und zuletzt die Vergütung weiter kappte.

5 thoughts on “Affiliate-Marketing: BAUR macht den Anfang vom Ende

  1. Hallo Herr Schmidt,

    ich finde Ihren Artikel zum Thema Umstellung des Trackings bei BAUR recht gelungen, allerdings möchte ich einige Punkte anmerken bzw. richtigstellen:
    Es ist in der Tat so, dass es in letzter Zeit vermehrt und wiederholt Betrugsfälle durch PostView- und Cookie Dropping-Maßnahmen gab, die durch die Umstellung des Trackings nun unterbunden werden können.
    Zum anderen möchte ich betonen, dass eine Session bei BAUR deutlich länger läuft als 30 Minuten, so dass es bei den meisten Publishern keinen signifikanten Wegfall von Provisionen geben wird.
    Mehrere Auswertungen haben gezeigt, dass ca. 95-98% der BAUR-Bestellungen im Sofortconversion-Bereich liegen.

    Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

    Martin Juschkus
    Projektleiter Online-Marketing
    Baur Versand (GmbH & Co KG)

  2. torsten

    hallo herr schmidt,
    ich finde den beitrag gewohnt einseitig und durchsichtig aus der sicht klassischer (post-click) affiliates geschrieben. noch erschreckneder finde ich jedoch den kommentar des betroffenen. wenn cookie dropping (m.e. kriminell) mit post-view kampagnen (gängige, akzeptierte praxis) gleichgesetzt wird, halte ich das deswegen für sehr gefährlich, weil es einen großen bereich des affiliate marketing in eine dubiose ecke rückt, in die er nicht gehört. post view kampagnen müssen selbstverständlich engen regelements unterworfen werden, um keine bösen überraschungen zu erleben. wie das geht, dass sollte eine gute agentur dem kunden erklären können. warum wurde die nicht in die pflicht genommen? oder wird sie hauptsächlich „erfolgsabhängig“ vergütet? ich kann merchants nur empfehlen bei ihren agenturen mindestens genauso stark auf qualität wie quantität der erzielten leistungen zu achten. wohin kurzsichtige reinrassige CPO denke führt ist in branchenkreisen bekannt: leichtes spiel für schwarze schafe. bei agenturen wie affiliates. eine gute agentur ist in der lage linke cookie dropping nummern zu erkennen und schaden (auszahlungen) rechtzeitig abzuwenden. das gleiche gilt für den brand bidding murks. post view hat damit jedoch nichts zu tun. und wer’s nicht mag lässt’s einfach bleiben. das ist aber kein grund auf session tracking umzustellen. schade für die branche.

  3. Martin Froschauer

    Hallo Herr Schmidt,

    ich kann den Schritt von Baur Versand durchaus nachvollziehen. Wer will schon für Sales bezahlen, bei denen der Affiliate nur einen geringen bis keinen Anteil hatte (Cookie-Dropper)? Klar werden hiermit aber auch ehrliche Affiliates bestraft.

    Sofern jedoch mehr als 95% der Sales im Sofort Conversion Bereich liegen ist dies sicherlich zu verschmerzen. Letztlich könnte die Umstellung sogar für alle Beteiligten Vorteile bringen und zwar dann, wenn Baur durch die Umstellung in der Lage sein sollte die Provisionen zu erhöhen.

    Was würden Sie bevorzugen:
    30 Tage Cookie-Laufzeit und durchschnittliche Provision
    oder
    Session-Cookie und überdurchschnittliche Provision?

  4. CBS

    Herr Froschauer, ich bevorzuge eine angemessene Provision für alle von mir nachvollziehbar vermittelten Bestellungen. Und das sollte auch Ziel der Netzwerke, Agenturen und letztlich auch der Partnerprogrammbetreiber sein. Anderenfalls wenden sich die Affiliates nämlich mittelfristig ab. Die Konkurrenz ist nicht nur für den Verbraucher lediglich einen Klick entfernt. 😉

  5. Marco

    Hallo,

    bei Zanox wird das Baur-Partnerprogramm aber noch mit dem Zanox Late Conversion Tracking angegeben. Betreibt Baur noch ein eigenes Partnerprogramm ohne Netzwerk ?

    Viele Grüße,

    Marco

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