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Web 2.0 für „alte Hasen“

Mit dem Multimillionenverkauf des „Social Networks“ StudiVZ ist der Hype um „Web 2.0“ endgültig auch in Deutschland angekommen. Es wird wieder Geld gezahlt, auch wenn keins verdient wird. Dabei sind die Ideen hinter diesem schönen, neuen Web meist nur „alter Kaffee“.

„Social Networks“ nannte man zu „Dotcom“-Zeiten Internet-Communities, diese machen letztlich einen großen Teil des Grundgedanken des Internets aus und bestehen in frühen Phasen bereits seit 1985. Eine große Rolle werden heute auch sogenannten „Gruppen“ zugesprochen. Hier haben die Mitglieder eines „Social Networks“ die Möglichkeit, sich miteinander öffentlich oder im geschlossenen Kreise auszutauschen. Solche Foren wie einst das Usenet wurden bereits 1979 eingerichtet.

Auch der Wirbel um das sogenannte „Tagging“, eine Art Verstichwortung von Inhalten, bleibt für mich eher unverständlich, so werden solche „Tags“ bereits im Rahmen der Meta Keywords seit der HTML-Version 2.0 ab 1995 unterstützt. Hier vor allem mit dem Ziel, die Erfassung der Seiten in Suchmaschinen zu unterstützen. Diese haben sich jedoch längst weiterentwickelt und sind nicht mehr auf Keyword-Tags angewiesen. Web 2.0 geht also einen Schritt zurück und lässt nunmehr Menschen „taggen“, was moderne Suchmaschinen längst wissen. Solche „Tags“ werden auch verstärkt in „Weblogs“ genutzt. Diese sind jedoch auch nicht mehr als vereinfachte „Content Management Systeme“, die bereits vor der Jahrtausendwende auch in Deutschland vermehrt einzug hielten, seit 1999 berichtet sogar contentmanager.de intensiv darüber.

Dies waren nur einige Beispiele, die verdeutlichen sollen, dass diese „Web 2.0“-Projekte den Auftrieb der Internetwirtschaft nicht wirklich ausmachen. Was neu ist, ist die Masse der Nutzer, die steigende Akzeptanz und mehr Vertrauen ins Internet und damit eine intensivere Nutzung in einer breiten Bevölkerungsschicht. Diese interessieren sich für das Marketing-Gedöns kaum, was auch erklärt, dass die in der Internetszene geprädigten Begriffe kaum bekannt sind. Den einfachen Zugang machen Breitbandanschlüsse und nutzerfreudlichere Techniken möglich. Und dabei bleibt weiterhin ein großes Potenzial unerschlossen. Man kann also schon gespannt sein, auf das „Web 3.0“, wenn man es so nennen möchte.

5 thoughts on “Web 2.0 für „alte Hasen“

  1. Du triffst es auf den Punkt.

    Früher hat einer einen Thread im Forum aufgemacht. Heute schreibt derjenige „(s)einen“ Blog-Eintrag und die Antworten sind die Kommentare.

    Aber im Grunde funktioniert vieles im Internet jetzt so gut, weil die Leute konsumieren. Sie klicken bspw. auf passende Adsense-Anzeigen und kaufen die Dienstleistungen/Waren. Wäre das nicht der Fall, wüden viele Web 2.0 Projekte, die kostenlos sind, nicht existieren können.

    Gregor

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