In eigener Sache

Verhindert der stationäre Handel mobile Preisvergleiche?

08.01.2009, In eigener Sache, Wirtschaft, CBS 2 Reaktionen

Im Weblog von Barcoo, die für ihren mobilen Preisvergleich unter anderem Ecato nutzen, wurde die Frage gestellt, ob der stationäre Handel sich nicht mit zunehmender Preistransparenz durch mobile Anwendungen gegen diese wehren würde. Meines Erachtens wird man es nicht verhindern können, dass Verbraucher auch hier stärker vergleichen wollen. Dennoch hat der Handel einige Möglichkeiten zur Vereitelung.

BarcooAn ein Verbot glaube ich jedenfalls nicht, falls das in Deutschland überhaupt durchsetzbar wäre. Aber gerade dort, wo die Ware vorwiegend unverpackt präsentiert wird, wie beispielsweise in Elektronikmärkten, könnte man das Vergleichen weiter erschweren. Jedoch macht natürlich bei Technikprodukten das Preisevergleichen am meisten Sinn. Die Umverpackungen stehen aber oft versteckt in Regalen, teilweise sogar eingeschlossen oder werden ganz wo anders gelagert. Wenn sich das Preisvergleichen vor Ort erheblich verbreitet, werden einige stationäre Händler sicher noch bewusster dafür sorgen, dass die Kartons mit den Barcodes nicht einfach zu finden sind. Bei Lebensmitteln hingegen ist das Produkt i.d.R. direkt verpackt und so fast immer ein Scannen möglich. Allerdings macht hier das Preisevergleichen angesichts der meist geringen Beträge und wenigen Bezugsalternativen kaum Sinn. Wie es Barcoo unter anderem in Bezug auf Bioprodukte vor hat, muss hier also noch mehr mit Kaufberatung gepunktet werden.

HiogiAnders als Barcoo setzt Hiogi nicht auf Strichcodes. Auch ist kein Software-Download und keine mobile Internetverbindung nötig. Eine SMS z.B. mit PREISE WII an 44044 genügt, um innerhalb weniger Minuten einen Marktpreis für die beliebte Spielekonsole per SMS zu erhalten. Dabei greift auch Hiogi auf Ecato zurück. Die Kosten dafür beschränken sich auf die normale Gebühr für den Versand der SMS-Anfrage. Die Antwort wird geprüft durch die Hiogi-Community kostenlos an den Fragesteller versendet. Die Vorteile liegen also in der einfachen Nutzung ohne Strichcode-Suche sowie keinen besonderen Anforderungen an Handy oder Mobilfunkvertrag sowie den überschaubaren und transparenten Kosten. Die Nachteile gegenüber einer Software-Lösung wie von Barcoo liegen darin, dass eine SMS von der Textlänge und Darstellung sehr beschränkt ist. Eine Software zur Strichcode-Abfrage kann hingegen alle Möglichkeiten des jeweiligen Endgerätes nutzen und so mehr Inhalte übersichtlich abbilden. Auch kann sich das Warten auf die Antwort-SMS gelegentlich durch die menschliche Kontrolle etwas hinziehen.

Die Nutzung beider Dienste im Laden kann man jedoch wohl am effektivsten verhindern, in dem man die Mobilfunkverbindung stört. So ist weder das Versenden einer SMS an Hiogi, noch der für Barcoo nötige, mobile Internetzugriff möglich. Genauso üblich sind gerade im Computer-Bereich speziell für den jeweiligen Händler exklusiv konfigurierte Geräte. Für große Abnehmer machen z.B. die Notebook-Hersteller gerne mal eine Ausnahme und tauschen u.a. den Prozessor, um ein exklusives Angebot mit einzigartiger Produktkennung anzubieten. Oft sind so sowohl online, als auch offline keine direkten Preisvergleiche bei den besonders stark beworbenen Angeboten mehr möglich. Hier hilft dann nur noch ein Produktvergleich über ähnliche Eigenschaften.

Letztlich wird man jedoch trotz aller Verschleierung den Willen der Verbraucher nach Preistransparenz nicht brechen können. Insofern müssen Händler mit kompetenter Beratung und hervorragendem Service überzeugen, um sich bei den Kunden ein Vertrauen aufzubauen und so vom Preiskampf Abstand zu gewinnen.

2 Reaktionen

  • Lars Wichert

    09.01.2009 13:34, Website

    Ich nutze meistens zum direkten Preisvergleich ein Online-Fähiges Handy und google (Komplette Prudktbezeichnungen stehen ja meistens an den Produkten oder dem Preisschild).

    Allerdings ist es mittlerweile schon recht auffällig, dass ich in bestimmten Märkten (einige Saturn Fillialen in Berlin, IKEA) kein Handynetz mehr habe.

    In diesem Fall gehe ich kurz vor die Türe ;-)

    Finde ich ein wesentlich günstigeres Angebot (online) konfrontiere ich einen Verkäufer damit. Meistens kommt dann das “Online-ist-immer-günstiger-Argument”, was ich bei einem Preisunterschied (z.B Plasma TV) von teilweise 200 EUR und mehr nicht mehr gelten lasse.

    Entweder der Händler geht mit dem Preis (Versandkosten werden natürlich berücksichtigt) mit, oder das Gerät wird online bestellt.

    Ich denke als Verbraucher hat man doch noch einige Asse im Ärmel..

    Vg
    Lars

  • Benjamin

    09.01.2009 18:05, Website

    Hallo Christian,

    Danke für das Aufgreifen unseres Blog-Eintrages. Wir sehen die Lage ähnlich wie Du und haben deswegen nur einen kleinen Nachtrag: Bei barcoo kann man natürlich auch nach Produktnamen suchen.

    Wie auch immer der anspruchsvolle Verbraucher sucht … am Ende wird er die Transparenz bekommen, die er braucht und das weit über die reine Preistransparenz hinaus.

    Beste Grüße,
    Benjamin.