Veranstaltungen

OMD oder DMEX, Alt oder Kölsch? Ich bin für Weizen und Pils!

20.09.2008, Veranstaltungen, CBS 9 Reaktionen

Die “Online Marketing Düsseldorf”, kurz OMD, ist die Leitmesse der Internet-Werbebranche. Der “Bundesverband digitaler Wirtschaft”, kurz BVDW, kehrt ihr nun nach neun Jahren den Rücken zu und will ab 2009 eine eigene Messe unter dem Namen “Digital Marketing Exposition”, kurz DMEX, veranstalten. Seitdem die Entscheidung Mitte des Jahres bekannt wurde, herrschen wilde Spekulationen über ein mögliches das Ende der OMD und ein eventuelles Scheitern der DMEX. Und was hat die Branche nun davon?

Die diesjährige OMD verzeichnete wieder einen Besucherrekord: 20.000 Menschen sollen die Düsseldorfer Messehallen in zwei Tagen besucht haben. Ein tosender Abschied oder ein Signal für eine weitere Zukunft? Laut Veranstalterangaben wuchs auch die Ausstellerzahl deutlich. Allerdings fiel mir auf, dass einige im letzten Jahr noch vertretene Firmen nicht mehr in der Ausstellerliste zu finden waren. Lohnt sich die Messe also wirklich noch für Unternehmen?

Sicher wird es jedes Jahr eine gewisse Fluktuation geben, allein wegen Firmenpleiten und -übernahmen. Die Unternehmen, die ich jedoch nicht wiederfand, scheinen allerdings erfolgreich zu sein und tummeln sich im Agenturumfeld, das für die OMD eigentlich immer prädestiniert war. Dennoch sind die Ausstellerkosten nach allen Gesprächen, die ich dazu geführt habe, wohl wieder horrend gewesen. Es war sogar von der teuersten Fachmesse in Europa die Rede. Über den Nutzen der Ausstellung erhielt ich auch ein ziemlich einhelliges Feedback, wonach die Kosten das Neugeschäft wohl deutlich übertreffen.

An dieser Situation könnte sich ab nächstem Jahr etwas ändern. Konkurrenz belebt das Geschäft: im schlimmsten Fall rechne der OMD-Veranstalter, Igedo, mit 60 Prozent weniger Ausstellern. Dennoch strotzen sowohl die OMD-Macher, als auch der Verband voller Selbstvertrauen. Der BVDW zählt auf seine starken Partner und die Treue der Mitglieder. Aber auch die OMD verkündet bereits Zusagen diverser Verbandsmitglieder. In jedem Fall werden die “goldenen Zeiten” wohl für die Veranstalter vorerst beendet sein.

Durch den Wettbewerb werden die Ausstellerpreise sinken. Insofern ein Vorteil für die Branche. Ob es jedoch schon im nächsten Jahr zu einer eindeutigen Standortentscheidung kommen wird, ist zu bezweifeln. Insofern könnten die Messekosten für viele, die Präsenz zeigen müssen durch die Doppelteilnahme auch steigen. Genauso betroffen sind auch die Besucher, die innerhalb kurzer Zeit ggf. beide Veranstaltungen besuchen müssen, um die gewünschten Kontakte zu erreichen. Da beide Messen den Alleinanspruch als Leitmesse der gesamten Branche für sich in Anspruch nehmen wollen und so voll auf Konfrontationskurs gehen, wird sich eventuell schon nach den Veranstaltungen im nächsten Jahr ein vorläufiger Sieger herausstellen. Über mehrere Jahre werden die Messen m. E. jedenfalls nicht mit dieser Ausrichtung parallel überleben können.

Im letzten Jahr konnte sich die OMD deutlich gegen die ausländische Konkurrenz, Ad-Tech, die 2007 erstmals in Hamburg stattfand, durchsetzen. 2008 wurde die Konkurrenzmesse wieder abgesagt. In der offiziellen Begründung wurde als Hauptgrund die fehlende Unterstützung der Ad-Tech durch die deutschen Interessensverbände und mögliche Medienpartner genannt. Zumindest das Engagement der wichtigsten Branchenverbände fehlt der OMD nun selbst. Allerdings ist die Leitmesse in Düsseldorf seit Jahren etabliert. Ob sich diese Stellung so leicht ablösen lässt, bleibt abzuwarten.

Um ihren führenden Charakter weiter behalten zu können, wird sich die OMD jedoch weiter stark wandeln müssen. Bereits in diesem Jahr wurde ein großer Schritt in Richtung Publikumsnähe getan: erstmals wurde die Messe durch vorangehende Veranstaltungen und vor allem ein Weblog begleitet. Ohnehin werden aus meiner Sicht in der ganzen Diskussion um die Standorte die Besucher viel zu sehr vernachlässigt. Was nützt es, wenn der Verband “umzieht”, die Masse der Besucher aber der OMD treu bleibt? Ohne diese ist die Messe auch für die Aussteller uninteressant. Und wer besucht die Messe schon nur wegen Google und Co.? Viel spannender ist es doch neue Unternehmen näher kennenzulernen. Mich haben die großen Aussteller jedenfalls wieder weitgehend kalt gelassen.

Ein zentraler Knackpunkt ist auch weiterhin der erste Messeabend. Seit Jahren gelingt es der OMD nicht mehr eine geeignete Abendveranstaltung auf die Beine zu stellen. Dabei liegt die Lösung, wie ich finde, doch so nahe: die Standparties sind beliebt und das Messegelände groß. Wieso konzentriert man sich nicht darauf, die Besucher auf der Messe zu halten? Das würde auch den Ausstellern zusätzlichen Nutzen bieten. Und die Besucher könnten von der Vielfalt der Standparties profitieren. Auch in diesem Jahr hat Igedo in diesem Zusammenhang kein besonderes Geschick bewiesen. An Tickets zum offiziellen Partyevent war wohl wieder kaum heranzukommen. Aber zusätzlich eine andere Party zu unterstützen, die offen mit und für, gelinde gesagt, umstrittene Werbemethoden wirbt und wo Partygäste scheinbar abschließend ins Rotlichtviertel chauffiert wurden, verdeutlicht meines Erachtens die Verzweiflung der Veranstalter.

Viel Hoffung auf eine bessere Lösung kann man bei der DMEX aber wohl auch nicht haben, denn ein Teil der bisherigen Verantwortlichen hält auch hier wieder die Fäden in der Hand. So bleiben nun also zunächst die kommenden Monate abzuwarten. Vielleicht heißt der lachende Dritte am Ende auch “Internet World”. Die Messe mit begleitendem Kongress war früher einmal der Treffpunkt für die gesamte Internetbranche. Allerdings war es in den letzten Jahren ruhig um das ehemalige Megaevent geworden. Doch die Veranstalter, Penton Media, scheinen im Konflikt zwischen den beiden Anderen eine neue Chance zu wittern. Ich werde an dem Münchener Event, das einst in Berlin stattfand, dieses Jahr jedenfalls teilnehmen.

Zu guter Letzt bleibt auch noch unsere “Online Marketing Lounge”, welche die Internetbranche in Berlin vernetzt. Als Gründerhauptstadt bietet Berlin auch im Startup-Umfeld eine unschlagbare Vielfalt. Es wird wohl also Zeit, dass auch hier wieder ein großes, jährliches Branchenevent etabliert wird. Dies könnte auch nicht zuletzt für die hier ansässigen großen Medien- und Internetunternehmen wie Axel Springer, Ebay, Immobilienscout, Jamba, StudiVZ und Zanox sowie diversen erfolgreichen Agenturen von Interesse sein. Schauen wir also, was die Zukunft bringt. Es bleibt in jedem Fall spannend!

9 Reaktionen

  • Djure Meinen

    22.09.2008 10:39, Website

    Lieber CBS,
    vielen Dank für die differenzierte Nachbetrachtung. Ein Wort nur zum Thema Party. Wir hätten das Partykonzept schon dieses Jahr gerne ganz auf den Kopf gestellt. Ging aber nicht: Verbandsinteressen und die kappe Zeit standen dem entgegen.
    Nicht zuletzt deshalb haben wir den OMclub unterstützt, der die Spitze der verbreiteten Kritik an der offiziellen Party darstellte. Mit Verzweiflung hatte das wenig zu tun.
    Für nächstes Jahr sind wir für jede Anregung dankbar und laden alle ein mitzuwirken, die sich aktiv an einer rauschenden Nacht in Düsseldorf beteiligen wollen.

  • CBS

    22.09.2008 15:21, Website

    Danke für den Kommentar, aber der Einwand die Zeit sei “zu knapp” gewesen, kann wohl nur ein Scherz sein. Wir veranstalten selbst seit nunmehr drei Jahren am ersten Messeabend ein Alternativevent. Dabei haben wir uns bewusst gegen ein “Partykonzept” entschieden, weil viele Messeteilnehmer, genauso wie wir, sich eher entspannen, als bei lauter Musik weiter heiser reden wollten. Zur Unterstützung der Alternativparty passt wohl am besten Ihr Argument an anderer Stelle der “kulturellen Unterschiede”. Dass diese jedoch für eine solche Branchenveranstaltung deutlich zu groß zu sein scheinen, ist wohl kaum noch Geschmackssache. Denn das nahezu betrügerische Erschleichen von Provisionen (”Cookie Dropping”) und Prostitution sollten einer seriösen Leitmesse für Online-Marketing eigentlich fern stehen.

  • Patrick K.

    22.09.2008 17:09, Website

    Ich hab auch mit einigen Ausstellern gesprochen, ob es sich lohnt auf der Messe präsent zu sein – bei vielen KMUs lohnt es sich weniger, da nicht nur die Messekosten zu betrachten sind, sondern auch Planung und Vorbereitung. Da muss man schon eine gewisse Zeit investieren – ich denke die Neukundenakquise kann man mit geringerem Aufwand auch anders bewerkstelligen. Letztendlich ist natürlich die Präsenz nicht unwichtig, aber dies lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken :) Viele Unternehmen werden sicher auch abwarten, wie sich die Diskussion um beide Messen entwickelt und nicht vorzeitig auf das falsche Pferd setzen…

  • Randolf

    22.09.2008 21:06, Website

    “Lieber CBS”,

    lass die Kirche doch einfach mal im Dorf. Wieso meinst du den Geschmacksnerv der Branche zu kennen, wenn durch die Anwesenheit von 1000 Online Marketern beim OMclub doch eben erst eine gegenteilige Aussage gemacht wurde?

  • CBS

    23.09.2008 00:20, Website

    Ach Randolf, wie ich schon schrieb handelt es sich weniger um eine Geschmacksfrage, als um eine Frage des Niveaus. Ich bin sicher nicht allein der Auffassung, dass unsere Branche nicht mit Betrügereien und Prostituierten prahlen muss. Darauf hätte man verzichten und die “Kirche im Dorf” lassen können. Das hätte der Party sicher nicht geschadet. Unsere Veranstaltungen besuchen jährlich auch mehr als 1.000 Gäste und das auch ohne solches Gehabe. In diesem Sinne…

    PS: Ich veröffentliche keine anonymen Kommentare “begeisterter Besucher”. Wer nicht zu seinem Wort stehen kann, braucht es also gar nicht erst versuchen. ;-)

  • Randolf

    24.09.2008 15:51, Website

    Du missverstehst das Grundkonzept des OMclubs: SPASS! Wir fanden es lustig mit Bert & Hummer-Limos zu feiern, hindern aber keinen daran andere Veranstaltungen zu organisieren, auch wenn uns diese zu langweilig sind.

    Zum P.S.: Du willst doch nicht ernsthaft suggerieren, dass ich hier anonym Jubelkommentare poste? Es gibt genug namentlich benannte Autoren, die – idR sehr positiv – vom OMclub berichten:
    http://blogsearch.google.de/blogsearch?hl=de&q=omclub&scoring=d

    Das wars jetzt aber mal von meiner Seite – Ciao ;-)

  • CBS

    24.09.2008 21:22, Website

    Randolf, gegen Spaß ist ansich auch nichts einzuwenden. Ich kenne aber auch Stimmen, die ebenso der Meinung sind, dass man auf Prostituierte und Cookie-Dropping-Tiraden genauso gut hätte verzichten können. Aber jeder feiert seine Partys auf seine Weise und seinem Niveau. Meine Kritik bezieht sich, wie im obigen Blogbeitrag beschrieben, auch vor allem auf die Reaktion von “offizieller Seite”. In der Kritik an der offiziellen OMD-Party sind wir uns wohl sogar weitgehend einig. Insofern sind die Differenzen ja gar nicht so groß. Und mein “PS” ist ein Hinweis nach einem anonymen Kommentar, den ich nicht freigeschaltet habe, mehr nicht. ;-)

  • Chris

    15.10.2008 16:11, Website

    ..scheint ja zum Diskurs anzuregen, die Messe. Muss ich auch mal hin.

  • CBS

    17.12.2008 18:22, Website

    So viel zum Thema “wir laden alle ein mitzuwirken, die sich aktiv an einer rauschenden Nacht in Düsseldorf beteiligen wollen”. Ohne Messe wird es wohl auch keine Party geben, schade, dass die Veranstalter anscheinend den Mund zu voll genommen haben.