Google vertreibt Affiliates

Seit Kurzem bittet der neue “AdWords Quality Score” die meisten Affiliates richtig zur Kasse. Man wolle die “Nutzererfahrung” verbessern. Webseiten, deren Hauptzweck es ist, Nutzern einen Überblick zu Angeboten von Drittanbietern zu bieten, sind dabei offenbar unerwünscht und werden bewusst mit Wucherklickpreisen aus dem AdWords-Programm vertrieben.

Schon in den letzten Monaten mussten Affiliates immer wieder Einschnitte in ihre AdWords-Tätigkeiten hinnehmen. Nicht nur Partnerprogrammbetreiber, die das Potenzial der in Google für sie werbenden Partner verkennen, sondern auch Google macht es den Affiliates immer schwerer zu werben. Zuerst sollten sie Zwischenseiten, sogenannte Landingpages, zwischen dem Ergebnistreffer und der Produktseite bauen. Jetzt werden die Landingpage und deren Umfeld, sprich unter Umständen die gesamte Website, durch einen Google-Roboter auf deren “Qualität” geprüft. Wie dieser dabei vorgeht oder welche Kriterien eine Rolle spielen, bleibt wieder mal weitestgehend offen. Das Ergebnis des Ganzen ist, dass zahlreiche Kampagnen von Affiliates, die der gesamten Branche – einschließlich Google, Affiliate-Netzwerken, Agenturen und Waren- und Diensteistungsanbietern – allein in Deutschland jährlich dutzende Millionen Euro Umsatz bringen, ohne jegliche Vorwarnung mit einem neuen Mindestgebot von bis zu über acht Euro pro Klick deaktiviert wurden.

Besonders betroffen scheinen auch Websitebetreiber zu sein, die das Google-eigene Vermarktungsprogramm AdSense auf Ihren Webseiten einsetzen. Hiermit soll wohl das Einkaufen von günstigen Google-Klicks für sogenannte “Made for AdSense”-Seiten, kurz “MFA”, unterbunden werden, die oft durch entsprechende Inhalte über AdSense zu höheren Klickpreisen zum gleichen Thema kommen und so den Klickkauf mit hohen Gewinnmargen finanzieren. Leider sind nicht nur diese “MFA”-Seiten betroffen, sondern wie vielfach berichtet auch Websites mit inhaltlichem Mehrwert, die unter anderem AdSense, wie von Google gefördert, zur Monetarisierung Ihres Internetangebots nutzen. Dass diese nun keine Reichweite mehr über Google kaufen können sollen, scheint für alle Seiten völlig unsinnig.

Eine Korrektur des Kurses ist von Google jedoch nicht zu erwarten. Schon wenn man die Google AdWords Richtlinien aufmerksam liest, bleibt kein Zweifel, dass insbesondere die Anbieter von Produkten selbst bei Google werben sollen. Auch zeigt die aktuelle Tendenz wieder einmal, dass Monopole schlecht für den Markt sind. Dennoch schreien die Ersten nach der Alternative des nächsten Monopolisten, der den Markteintritt lange verschlafen hat: Microsofts Werbeprogramm soll es nun in Zukunft richten, wenn schon die anderen AdWords-Wettbewerber sich offenbar keine Relevanz im Markt verschaffen können.

Bleibt den Affiliates, die trotz ihrer ernormen Marktbedeutung und dem beinahe grenzenlosen Potenzial immer wieder unerwünschte Geschäftspartner sind, dennoch wieder nur sich auf die neue Situation einzustellen. Dabei sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt – vom Google-Mediabot-Cloaking bis zum gänzlichen Absagen der “fetten Jahre” mit Google. Eines ist jedoch sicher, auch wenn der eine oder andere Affiliate nun “kleine Brötchen” backen wird, werden wir uns weiter durchsetzen. Die nächsten Geschäftsmodelle warten schon darauf von den “Wohnzimmerunternehmern” erobert zu werden. Denn Affiliates sind flexibel, weil sie Kampagnen sonntags im Bett liegend optimieren, am liebsten selbst im Pool das Notebook auf den Schenkel zu liegen haben und ohne millionenschwere Kapitalspritzen der “older economy” auskommen.

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15 Antworten auf Google vertreibt Affiliates

  1. Tim sagt:

    Die gleiche Beobachtung habe ich vor ein paar Wochen auch gemacht. Ich habe aber auch das Gefühl, dass echte “Mehrwert” Seiten (also dem Keyword entsprechender Content) dadurch auch einen Vorteil erlangen.

  2. Karsten sagt:

    Will ja nicht unbedingt politisch werden, aber Demokratie im Internet wollen wir nicht nach Meinungen und Ansichten eines USA Konzerns auch noch haben!

    Das geht wie im wahren Leben in die Hose und ist kontraproduktiv!

    Bestraft werden nur 5% ausgekochte Web Ganoven, die nebenbei den Index so und so mit Milliarden Seiten zuspamen und 95% normale Webmaster.

    Wir selbst haben noch eine teure Ähnlichkeitssuche und für unsere Kunden Liveperson auf der Seite, eben Service, den sich nicht mal die größte Suchmaschine für Ihre Werbekunden leisten kann und sind nun abgestempelt wie besagte 5%!

  3. wingthom sagt:

    Eine weitere Möglichkeit: auf Google hören und Online-Verleger werden (Inhalte “made for costumers” statt MFA) oder die Branche wechseln.

  4. CBS sagt:

    Ich denke, dass die meisten professionellen Affiliates Ihre Seiten vor allem für Konsumenten bauen, denn diesen wollen Sie ja Angebote empfehlen. Es gibt zahlreiche hochwertige Internetseiten, die mit AdSense und Partnerprogrammen refinanziert werden und dadurch erst entstehen können. Warum sollten diese nun keine Besucher mehr von Google kaufen dürfen?

  5. wingthom sagt:

    Grundsätzlich können diese Seiten ja weiter Traffic einkaufen, nur nicht mehr unter Wert. Google hat die Handelsspanne reduziert, nicht den Handel untersagt.

    Ich habe einige Tests durchgeführt und könnte nun auch mit Recht empört schreiben: “Google hat die Preise 25fach erhöht” – oder realistisch “zum ersten Mal den Start-Preis marktgerecht festgesetzt”.

    Dass es da – gerade zum Start – viele Ausreisser gibt, haben wir bei anderen Google Tänzen auch schon erlebt, das regelt sich aber über die Feedbackmöglichkeiten meistens recht schnell von selbst wieder auf ein vernünftiges Niveau ein.

  6. Stefan Wolk sagt:

    Sicherlich sind die vorgebrachten Einwände zum Teil nachzuvollziehen. Gut gemachte Seiten (die auch relevanten Content für User haben), sollten sich wie jede andere Website auch Traffic kaufen dürfen.

    Das AdWords Quality Score bringt aber für größere Merchants eine Bereinigung des Marktumfeldes mit sich. Man muss bei aller Akzeptanz von Affiliate Programmen schon fragen, ob es sinnvoll ist Bannerfarmen mit schlechter Usability auch noch mit Anzeigen zu bewerben?

    Vielleicht trennt sich tatsächlich die Spreu vom Weizen und die “erhofften nächsten Geschäftsmodelle warten schon darauf … erobert zu werden.” Der aktuellen Onlinelandschaft würde es sicher gut tun.

  7. Adam sagt:

    “Don’t be evil” sag ich nur ;-)

  8. CBS sagt:

    Richtig, eine Bereinigung ist notwendig, im Sinne aller, aber dann bitte fair und nachvollziehbar. Acht Euro pro Klick sind kein marktgerechter Wert, zumal dieser ja nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt, wie bisher, sondern künstlich hochgeputscht wird. Google versucht so mit brachialer Gewalt die bösen Geister – minderwertiger Content und das Geschäftsmodell bedrohende Klickmonster – die man selbst hervorgerufen hat, zu vertreiben. Zum sogenannten Kollateralschaden zählen dabei leider auch vielfach ernsthaft betriebene Webprojekte mit echtem Mehrwert für Verbraucher.

  9. Stefan Wolk sagt:

    Es trifft in der Tat auch viele der \”guten Websites\”. Hier sind übrigens Agentur- und Shopaccounts nicht ausgenommen. Wir werden auf jeden Fall den Dialog mit Google zu diesem Thema suchen.

  10. wingthom sagt:

    Gibt es dafür konkrete Beispiele ? Wurden sie an die Adwords-Ansprechpartner gemeldet und wie wurde reagiert ?

    Und 8 Euro pro Click können durchaus angemessen sein – Google erhält immer mehr TKP-Buchungen und da sind rückgerechnet 8-12 Euro pro Click durchaus realistisch.

    Zudem sind die TAC gestiegen, eben mal eine Milliarde Dollar für AOL, eine für DELL und demnächst für weitere Trafficbringer müssen ja refinanziert werden.

  11. Big Tony sagt:

    da die neuen landing page guidlines nicht offen gelegt und klar definiert wurden, pauschal eine bestimmte gruppe von markteilnehmern betroffen sind und google zudem eine markbeherschende stellung inne hat, würde ich sagen, klagen auf unlauteren wettbewerb bzw. sittenwidrigkeit müsstenn gute chancen haben.

    vielleicht gibt es ja sammelklagen im angelsächsischen raum – wäre zu hoffen!

  12. James Hunt sagt:

    Web 3.0, alles wird noch semantsicher. Neue Businessmodelle sind schon entwickelt, die Affilis sind dynamischer als Google glaubt. Keep goin und viel Spass bei der Verbeserung eurer Webkampagnen.
    J.H. – berlinstartup.de

  13. paul sagt:

    dreist, was Google da treibt. Nimmt Leuten die Einnahmequelle. Wenn man jährlich fünstellig an Google überweist ist es schon ein bisschen frech so eine Erhöhung zu bringen. Google soll doch nicht so tun, als ginge es denen um Qualität. Geht es denn um die Kampagne oder um die Zielseite? Hab ne normale Homepage, auf der halt viele Affiliatelinks liegen…und 8 Euro geht ja gar nicht. Bei 0,30 Cent war die Gewinnschwelle….

  14. Olaf Kerner sagt:

    Mit Adwords werden oftmals Landing Pages mit immer denselben Partnerprogrammen beworben. Das bringt für den Besucher nichts. Ich kann nachvollziehen, dass Google dagegen einschreitet.

  15. Sebastian sagt:

    “16. Juli 2006″ – vor wohlgemerkt einem Jahr, wem es also bisher noch nicht aufgefallen ist, dem kann dieser Artikel wohl vollkommen egal sein ;)

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